„Jeder in Deutschland hat die Chance, Unternehmenschef zu werden“, sagt Hans-Olaf Henkel, Honorarprofessor der Stadt Mannheim, und zwar auf Phoenix, dem seriösen Informationssender. Also glaube ich diesem Mann. Trotzdem soll man ja die Dinge hinterfragen. Ich frage: Wie werde ich Unternehmenschef? Das hat uns der Professor leider verheimlicht. Aber so schwer kann es nicht sein, denn auch ich bin jeder! Am besten, ich orientiere mich an Vorbildern und guten Beispielen. Wer fällt mir da ein? Als erstes fällt mir Madonna ein, denn ich bin als Kind in den Achtzigerjahren aufgewachsen. Wenn man als Kind in den Achtzigerjahren aufgewachsen ist, hält man Madonna automatisch für eine Art Königin der Galaxis, für die berühmteste Frau der Welt. Da das Gehirn ein stark zur Veränderung neigender Klumpen Matsch ist, der allen Blödsinn zwanghaft speichern muss, hat Madonna meine frühe Jugend sehr beeinflusst und mogelt sich deshalb ständig in Assoziationsketten hinein, die sie gar nichts angehen. Wenn ich an aus Entwicklungsländern importierte Kinder denke, fällt mir zum Beispiel erst an zweiter Stelle Angelina Jolie ein. Und auch die Stichworte „komische Filme“ oder „Papst“ lenken meine Gedanken unmittelbar auf Madonna. Sie hatte da ja diesen Ärger wegen ihrer Kreuzigung, was ich eigentlich ganz richtig finde, den Ärger, meine ich, aber es ist schon verrückt, wie oft ich an Madonna denken muss. Und jetzt wieder! Denn immerhin hat es sie von der Straße aus direkt in den sog. Pop-Olymp katapultiert. Gerade noch ein ungewaschenes Aktmodell, jetzt auf unserer Showbühne! Ist das nicht unheimlich?
Ich glaube, sie ist außerdem sehr reich. Das ist nicht das Schlechteste, wenn man bedenkt, dass reiche Paare statistisch gesehen glücklicher sind, weil sie sich nicht über Geld streiten müssen, sondern einfach mal schick Essen gehen, eine Kreuzfahrt durch die Karibik machen oder sich ein paar gülden eingefasste Versöhnungsjuwelen schenken, bevor sie zum Golf gehen. Obwohl ich persönlich das Golfspiel für überschätzt halte. Was bekommt man dabei schließlich für sein Geld? Man bekommt die Erlaubnis, auf einer sehr, sehr großen Wiese mit sehr, sehr kleinen Löchern drin herumzuspazieren. Also, das wäre es mir nicht wert. Jedenfalls aber kann man Madonna gewiss als eine Art Unternehmenschefin bezeichnen. Sie hat sicher einen ganzen Haufen Angestellte, die alle etwas dafür bekommen wollen, dass sie Madonna das Bett oder die Nägel oder den Garten machen. Doch trotzdem gibt es einen Haken: Madonna ist gar keine Deutsche! An ihr kann ich mir also nur, ich sag mal: kontextuell ein Beispiel nehmen. Ärgerlich.
Ich gebe jedoch nicht auf, es muss auch deutsche Unternehmenschefs geben, die nicht aus einer jahrhundertealten Brötchen-, Drogeriewaren- oder Lebensmittelverkäuferdynastie stammen. Fieberhaft denke ich nach. Gar nicht so leicht! Nachdem ich mir alle Fingernägel abgekaut, büschelweise Haare ausgerauft und eine Denkerfalte auf der Stirn entwickelt habe, komme ich endlich drauf: Arnold Schwarzenegger! Vom Terminator zum Politstar! Wenn das keine Karriere ist! Wenn man ganz genau sein wollte, müsste man allerdings darauf hinweisen, dass auch Arnold Schwarzenegger nicht richtig echt deutsch ist. Zwar deutscher als Madonna, das schon, aber so richtig waschecht deutsch eben doch nicht. Doch ist das nicht alberne Haarspalterei? Auch andere Leute, die wir für regelrecht übertrieben deutsch halten, waren es eigentlich gar nicht, würde der Honorarprofessor vielleicht argumentieren. Stimmt! Ich bin sofort beruhigt und mache mir Notizen auf meiner To-Do-Liste. Mit dem Verkaufen von Sachen brauche ich gar nicht erst anzufangen, diese Unternehmen sind alle in fester Hand, siehe oben. Es bleiben mir also nur noch die Castingshows, um meine Talente als zukünftige Unternehmenschefin unter Beweis zu stellen. Und wenn ich den blitzgescheiten Professor zwischendurch irgendwo treffe, frag ich ihn einfach, ob er nicht noch ein paar tolle Tipps für mich hat. Hach, ich freu mich schon!
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